GEG 2026 im Vergleich: Wie streng baut Deutschland wirklich?
Mit der GEG-Novelle 2026 wurde Deutschlands Gebäudeenergierecht erneut nachgeschärft. In der öffentlichen Debatte heißt es oft, Deutschland baue heute strenger als der Rest Europas. Wir haben die Vorschriften nüchtern verglichen - mit einem Quellen-Check gegen Baunetz Wissen, das BMWSB-Portal sowie die offiziellen Texte aus Österreich (OIB), der Schweiz (EnDK/MuKEn) und Frankreich (Légifrance / RE2020).
Deutschland (GEG 2026)
Im Neubau gilt der EH-55-Standard als Pflicht, plus 65-%-EE-Heizungsregel und verschärfte U-Werte (Außenwand max. 0,18 W/(m²K)). KfW 297/298 fördert oberhalb davon (EH 40 NH/QNG). Im Bestand greift die Sanierungspflicht bei Eigentümerwechsel und Heizungstausch.
Österreich (OIB-RL 6, 2023)
OIB-Richtlinie 6 verlangt im Neubau einen HWB-Referenzwert ähnlich EH 55, mit Bundesländer-Zuschlägen. EE-Pflicht ist nur eingeschränkt national geregelt - die meisten Bundesländer haben aber 2024/2025 nachgezogen. Förderung über die Wohnbauförderung der Länder, nicht über eine Bundesbank.
Schweiz (MuKEn 2025-Entwurf)
Die Mustervorschriften der Kantone werden 2025/2026 fortgeschrieben. Schweiz fährt seit Jahren konsequent kantonal, mit einem U-Wert-Korridor um 0,17 W/(m²K) Außenwand. Heizungsersatz: Ölheizungen werden zunehmend nicht mehr genehmigt. Förderung primär über das Gebäudeprogramm.
Frankreich (RE2020)
RE2020 ersetzt seit 2022 die RT2012 und bewertet zusätzlich CO₂-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus (LCA). Das ist - was die Klimabilanz betrifft - strenger als das deutsche GEG, weil die Wirkung grauer Energie real wird. Heizungstechnisch ist Frankreich dafür offener (Wärmenetze).
Niederlande (BENG, MPG)
BENG (Bijna EnergieNeutrale Gebouwen) verlangt seit 2021 nahezu Nullenergie-Standard im Neubau, plus MPG (Milieuprestatie Gebouwen) für Materialökobilanz. Auch hier ist die Klimabilanz technisch sauberer abgebildet als im GEG.
Was bedeutet das für Bauherren in Stuttgart?
Deutschland reguliert die Energieeffizienz im Betrieb sehr stringent (U-Werte, EE-Pflicht), bleibt aber bei der Lebenszyklus-Bewertung zurück. Wer in Deutschland heute KfW 40 mit QNG plant, baut faktisch auf RE2020-Niveau - bekommt aber dafür echte Förderung. Unsere Empfehlung: nicht über die Strenge klagen, sondern Förderwege ausnutzen.
Takeaways
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